Autarq ist Kontributor für die kommende F13-Version und entwickelt eine agentische Komponente, mit der die Plattform mehrschrittige Vorgänge in Behörden und Kommunen übernehmen kann.
Kurzfassung: Autarq beteiligt sich als Kontributor an der Weiterentwicklung von F13, der KI-Assistenz des Landes Baden-Württemberg. Im Zentrum unseres Beitrags steht ein Orchestrator, der agentisches Arbeiten auf der Plattform ermöglicht: F13 kann damit künftig auch komplexere, mehrschrittige und unterschiedliche Aufgaben eigenständig durchführen, statt wie bisher nur einzelne Anfragen zu beantworten. Freigabepunkte für Menschen und nachvollziehbare Entscheidungsregeln sind dabei fest im Ablauf verankert. Die Einführung des agentischen Orchestrators ist für das zweite Halbjahr 2026 vorgesehen.
F13 ist seit Juli 2025 Open Source. Damit ist aus einer Anwendung der Landesverwaltung Baden-Württemberg ein gemeinschaftliches Vorhaben geworden, an dem sich Verwaltungen, Ressorts und Unternehmen beteiligen können. Das Land hat dazu ausdrücklich eingeladen.
Wir bei Autarq bringen eine agentische Komponente in F13 ein. Sie zerlegt einen Vorgang in Teilschritte, protokolliert jeden davon und holt an festgelegten Punkten eine Freigabe ein. Die fachliche Entscheidung bleibt beim Menschen.
Was ist F13 und was bedeutet die Öffnung hin zu Open Source?
F13 unterstützt die Beschäftigten der Landesverwaltung bei Textarbeit, bietet einen Chatbot, fasst Dokumente zusammen und recherchiert in Verwaltungsdokumenten. Seit Mai 2023 stand allen Beschäftigten der Landesverwaltung ein Prototyp zur Nutzung offen, 2024 folgte die offizielle Einführung als Vollprodukt. Entwickelt wurde die Software vom Innovationslabor des Landes (InnoLab_bw) gemeinsam mit der PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH. Betrieben wird sie im Rechenzentrum der landeseigenen IT Baden-Württemberg (BITBW).
Im Juli 2025 hat das Land F13 als Open-Source-Software veröffentlicht, bereitgestellt über die Plattform openCoDE des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS). Ministerialdirektor Stefan Krebs, Beauftragter der Landesregierung für Informationstechnologie, benannte bei der Vorstellung die Größenordnung: Der Bund, sechzehn Länder und allein in Baden-Württemberg 1.101 Gemeinden müssen sich auf den Einsatz von KI einstellen.
Technisch besteht F13 aus einzelnen Microservices für Chat, Recherche, Zusammenfassung und Transkription, die ein Core zusammenhält. F13 kann im eigenen Rechenzentrum betrieben werden und ist nicht an ein bestimmtes KI-Modell gebunden. Neue Funktionen kommen als neue Microservices hinzu, statt bestehende umzubauen. Diese Architektur ist die Voraussetzung für unseren Beitrag zu F13.
Woran arbeitet Autarq konkret bei F13?
Im heutigen Funktionsumfang beantwortet F13 Fragen und verarbeitet Dokumente. Was fehlt, ist die Fähigkeit zu mehrschrittigen Abläufen, in denen das System Werkzeuge auswählt, Zwischenergebnisse bewertet und einen Vorgang bis zu einem vorlagefähigen Ergebnis führt. Auf der öffentlichen F13-Roadmap ist dieser Bereich für 2026 als Grundlagenarbeit zu Anfragen-Routing und Agenten angelegt.
Hier setzt unsere Komponente an. Im Zentrum steht ein Orchestrator, der eine Aufgabe zerlegt und an spezialisierte Sub-Agenten verteilt: einer recherchiert, einer prüft anhand der Regelwerke und einer formuliert. Er führt die Ergebnisse zusammen und entscheidet, ob ein Schritt wiederholt werden muss. Gegenüber einem einzelnen großen Modellaufruf bleibt damit jeder Teilschritt sichtbar und einzeln bewertbar.
Human-in-the-Loop heißt bei uns: KI und Mensch arbeiten im selben Vorgang zusammen, nicht nebeneinander. Die Komponente übernimmt die Vorarbeit – recherchiert, wertet aus, bereitet auf – und legt das Ergebnis mit Begründung und Quellenlage den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern vor. An festgelegten Punkten hält das System an und wartet auf ihre Freigabe. Erst wenn ein Mensch geprüft und bestätigt hat, dass ein Ergebnis richtig und vollständig ist, geht der Vorgang in die nächsten Schritte über. Denn in der Verwaltung ist die Verantwortung für eine Entscheidung immer einer Person zugeordnet – deshalb ist diese Freigabe fest im Ablauf verankert, nicht optional.
Entscheidungsregeln liegen in einer Policy-Engine auf Basis von Open Policy Agent (OPA), also als eigenständige, versionierbare Policies statt als Prompt-Text oder Sonderfall im Programmcode. Wer wissen will, warum ein Agent etwas darf, liest die Policy und kann sie fachlich prüfen, ohne den Code zu lesen. Zusätzlich hält ein Protokoll jede Agenten-Aktion fest, also etwa aufgerufenes Werkzeug, herangezogene Quelle und greifende Policy. Damit lässt sich ein Vorgang im Nachhinein rekonstruieren.
Fachverfahren und Dokumentenbestände werden über das Model Context Protocol (MCP) angebunden, einen offenen Standard. Ein einmal entwickelter MCP-Server ist für andere Verwaltungen nachnutzbar und funktioniert auch dann weiter, wenn das Modell gewechselt wird. Ein Document-Manager legt Dokumente und Vorgangsdaten zentral ab, sodass mehrere Agenten darauf zugreifen können.
Auch der Orchestrator selbst baut auf offenen Standards auf: Für die Planung der Agenten-Abläufe und die Steuerung der Sub-Agenten setzen wir auf etablierte Open-Source-Frameworks. Für die Einbindung in die F13-Oberfläche nutzen wir zusätzlich das AG-UI-Protokoll. Alle Bausteine sind als austauschbare Komponenten in einem Docker-Stack angelegt und folgen damit dem Muster, das F13 mit seinen Microservices vorgibt. Die Komponente läuft in derselben Umgebung wie F13, also in den Rechenzentren der jeweiligen Organisation.
Wie läuft die Zusammenarbeit innerhalb der F13-Community ab?
Die F13-Community hat für größere Contributions einen festen Ablauf. Ideen werden in einer zweiwöchentlichen Contribution-Sprechstunde mit dem Lead-Entwickler besprochen. Technische Anforderungen und Architekturentscheidungen laufen anschließend über zwei Boards, die im Dreiwochenrhythmus tagen. Im Anforderungsboard sitzen die Technischen Product Owner aller aktiven Projekte, im Architekturboard die Lead-Entwicklerinnen und Lead-Entwickler. Verbindliche Grundlage jeder größeren Contribution ist ein EPIC auf openCoDE mit fachlichen Zielen, technischen Leitplanken und Ownership.
Dazu kommt die Lizenzprüfung, die im F13-Projekt automatisiert in der CI/CD-Pipeline läuft. Ändern sich Lizenzen in einem Merge-Request, werden sie rechtlich bewertet, bevor der Beitrag aufgenommen wird. Unser Code entsteht Open Source und REUSE-lizenzkonform und durchläuft dieselbe Prüfung wie jeder andere.
An F13 arbeiten außerdem das Projekt KIRKE der Polizei Baden-Württemberg, das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport mit SCHULE@BW, das Saarland sowie das InnoLab_bw und die PD.
Wie geht es weiter?
Wir gehen iterativ vor, von Konzept über Prototyp zum Produktivbetrieb. Das dauert länger als eine Eigenentwicklung, dafür ist das Ergebnis anschlussfähig und für jede Verwaltung nachnutzbar. Wir halten Sie auf unserem Blog und auf LinkedIn über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden.
Häufig gestellte Fragen
Was ist eine agentische Komponente?
Ein Agent bearbeitet eine Aufgabe in mehreren Schritten. Er wählt Werkzeuge aus, ruft Daten ab, bewertet Zwischenergebnisse und führt sie zusammen. Unsere Komponente bringt diese Arbeitsweise in F13, wobei definierte Punkte im Ablauf eine Freigabe durch Menschen erfordern.
Bleibt die fachliche Entscheidung bei den Sachbearbeitern?
Ja. Human-in-the-Loop ist bei uns Teil der Architektur. Die Komponente bereitet einen Vorgang auf und legt die Begründung und die Quellen offen. Die fachliche Entscheidung treffen die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter.
Wie werden die Entscheidungen der Agenten nachvollziehbar?
Über zwei Mechanismen. Entscheidungsregeln liegen als eigenständige Policies in Open Policy Agent vor und sind damit fachlich prüfbar, ohne den Code zu lesen. Zusätzlich wird jede Agenten-Aktion protokolliert: aufgerufenes Werkzeug, verwendete Quelle, greifende Policy.
Wofür wird MCP eingesetzt?
Das Model Context Protocol ist ein offener Standard für den Zugriff auf Werkzeuge und Datenquellen. Ein einmal gebauter MCP-Server ist für andere Verwaltungen nachnutzbar und funktioniert auch nach einem Modellwechsel weiter.
Wird der Code veröffentlicht?
Ja. Der Code entsteht Open Source und REUSE-lizenzkonform im F13-Projekt und steht damit Bund, Ländern und Kommunen zur Nachnutzung offen.
Wo läuft die Komponente?
In Rechenzentren in Deutschland oder der EU. Die Komponente ist als Docker-Stack aus austauschbaren Bausteinen angelegt und modellagnostisch.
Sie haben einen Vorgang mit vielen manuellen Schritten?
Sie arbeiten in einer Behörde oder Kommune und haben einen Vorgang vor Augen, der heute viele manuelle Zwischenschritte braucht? Melden Sie sich bei uns und lassen Sie uns über die Möglichkeiten einer agentischen Komponente für Ihr Projekt sprechen!
Autarq ist die Marke der MWAY DIGITAL GmbH aus Stuttgart und baut die souveräne verwaltete Cloud-Plattform für Europa. Autarq Desk ist unser souveräner agentischer Arbeitsplatz auf Basis von openDesk CE, ergänzt um Autarq/Chat, Nubus IAM und Autarq Network, optional erweiterbar um Erweiterungen wie Relution für MDM/UEM. Alle Komponenten laufen in deutschen Rechenzentren, mit AGPLv3-konformer Stack-Komposition und vollständiger Mandanten-Isolation auf Kubernetes-Ebene.
Markenhinweis: F13 ist eine Anwendung des Landes Baden-Württemberg. openCoDE ist eine Plattform des Zentrums für Digitale Souveränität (ZenDiS). Open Policy Agent ist ein Projekt der Cloud Native Computing Foundation. Alle weiteren genannten Produkt- und Projektnamen sind Marken oder Bezeichnungen der jeweiligen Inhaber und werden hier ausschließlich zu Zwecken der Identifikation genannt.
